Litauen vs Lettland: 15% KSt sofort vs 0% bis zur Ausschüttung
Beide baltischen Staaten bieten EU-Compliance, niedrige Lebenshaltung und solide Banking-Infrastruktur. Strukturell trennen sie das Steuersystem und die Substanz-Mechanik.
Litauen
- 15% Standard-KSt, 5% für KMU mit <300.000 EUR Umsatz und <10 MA
- Wachsender Fintech-Hub Vilnius (Revolut, Curve, etc.)
- Englisch in Geschäftskreisen sehr verbreitet
- KSt sofort fällig, kein Cash-Flow-Aufschub
- Setup-Kosten und Compliance höher als in Lettland
Lettland
- 0% KSt auf reinvestierten Gewinn (CIT-Reform 2018)
- 20% nominal (effektiv 25%) erst bei Ausschüttung
- Mindestkapital 1 EUR (SIA), schnellere Eintragung
- Banking pragmatisch (Citadele, BluOr Bank)
- Substanz-Paket Riga: Personal, Büro, Geschäftsleitung dokumentierbar
Litauen vs Lettland: Detailtabelle
Beide Länder sind solide. Die Wahl hängt vom Geschäftsmodell und der Reinvestitions-Strategie ab.
| Kriterium | Litauen | Lettland |
|---|---|---|
| KSt-Standardsatz | 15% (5% für KMU) | 20% (auf Ausschüttung) |
| KSt auf Reinvestition | 15% sofort | 0% |
| USt-Standardsatz | 21% | 21% |
| Mindestkapital Gesellschaft | 2.500 EUR (UAB) | 1 EUR (SIA) |
| Substanztest §8(2) AStG | Generell unkritisch (>15%) | Nötig wegen 0% reinvestiert |
| EU, Eurozone, Schengen | Ja | Ja |
| DBA mit Deutschland | Ja (1997) | Ja (1995) |
| Lebenshaltungskosten Hauptstadt | ~1.500 EUR/Monat (Vilnius) | ~1.400 EUR/Monat (Riga) |
| Banking-Geschwindigkeit | 1-3 Wochen | 1-3 Wochen |
| Persönliche Begleitung Deutsch | Selten | Balt Partners |
Warum Lettland für DACH-Unternehmer oft die bessere Wahl ist
Litauen mit 15% KSt sofort vs Lettland 0% solange reinvestiert. Bei einem Profit von 200.000 EUR/Jahr, 5 Jahre reinvestiert: Litauen 150.000 EUR KSt kumuliert, Lettland 0 EUR während der Reinvestitionsphase. Das ist ein erheblicher Liquiditätsvorteil für wachsende Unternehmen.
Litauens KMU-Tarif 5% ist attraktiv, aber begrenzt. Für Gesellschaften mit unter 300.000 EUR Umsatz und unter 10 Mitarbeitern gilt 5% KSt im ersten Jahr, 0% bei sehr kleinen Strukturen. Das ist konkurrenzfähig für ganz junge Unternehmen, läuft aber bei Wachstum schnell aus. Lettlands 0%-Regel ist nicht an Schwellen gebunden, solange Sie reinvestieren.
Substanztest §8(2) AStG: Hier liegt die Crux. Litauen mit 15% effektiver Belastung liegt knapp unter der 15%-Niedrigsteuerschwelle nach Wachstumschancengesetz seit 01.01.2024. In manchen Konstellationen kann §8 AStG greifen, in anderen nicht. Bei der lettischen 0%-Reinvestitions-Logik liegt die effektive Belastung definitiv unter 15%, der Substanznachweis nach §8 Abs. 2 AStG ist Pflicht. Beide brauchen also Substanzaufbau, Lettland mit besser kalibrierten Kosten.
Wann ist Litauen die richtige Wahl? Wenn Sie ein Fintech-Setup mit Lizenzgeschäft anstreben (Vilnius hat sich zum baltischen EMI-Hub entwickelt), wenn Sie Personal mit slawischen Sprachkenntnissen brauchen oder wenn 5%-KMU-Tarif für die Anfangsphase ausreicht. Für reine Reinvestitions-Strategien und einfaches Setup punktet Lettland.
Häufige Fragen
Gesellschaften mit Umsatz unter 300.000 EUR/Jahr und unter 10 Mitarbeitern profitieren vom 5%-Satz. Im allerersten Jahr 0%, danach 5%. Mit Wachstum über die Schwelle gilt der reguläre 15%-Satz. Lettlands 0%-Reinvestition ist hingegen unbegrenzt skalierbar, solange Gewinne im Unternehmen bleiben.
Knapp. 15% effektive Belastung liegt an der Niedrigsteuergrenze (15% nach §8 Abs. 5 AStG). Bei aktiver Trading-Tätigkeit greift §8 nicht; bei passiver Holding kann es relevant werden. Substanztest §8 Abs. 2 ist daher empfehlenswert. In Lettland ist der Substanztest wegen der 0%-Reinvestition immer Pflicht und entsprechend Standard.
Beide sind solide. Vilnius hat sich als Fintech-Hub etabliert (EMI-Lizenzen, Revolut hat dort die Basis). Riga überzeugt mit klassischen Geschäftsbanken (Citadele, BluOr Bank, Swedbank, SEB), die remote-fähig und pragmatisch sind. Für klassische DACH-Unternehmer ohne Fintech-Ambitionen sind beide gleich gut.
Riga und Vilnius liegen sehr nahe beieinander, ~1.300-1.500 EUR/Monat für Single-Haushalt. Riga gilt als minimal günstiger. Beide weit unter Berlin, Wien oder München.
Wenn Sie über die Schwelle 300.000 EUR Umsatz wachsen, lohnt sich die Frage. Eine UAB-zu-SIA-Umstrukturierung kann Sinn machen, wenn Reinvestitionen geplant sind. Wir empfehlen, das gemeinsam mit Ihrem deutschen Steuerberater zu prüfen, weil DBA-Aspekte und §6 AStG involviert sein können.
Riga hat die etwas größere und aktivere DACH-Unternehmer-Szene, primär durch die langjährige deutsche Handelskammer-Präsenz und den wachsenden Anteil deutschsprachiger Familien. Vilnius wächst nach, ist aber noch kleiner. Beide bleiben Communities mit niedrigen vierstelligen Personenzahlen.
Nein. §6 AStG greift bei jedem Wegzug aus Deutschland mit Beteiligung ab 1% an einer Kapitalgesellschaft und mindestens 7 Jahren unbeschränkter Steuerpflicht in den letzten 12 Jahren. Standard ist seit 2022 die 7-Jahres-Ratenzahlung mit Sicherheitsleistung, identisch für Litauen und Lettland.
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